3 Samenkörner
“Du schaffst es nie!” – “Du bist eine Versagerin!” – “Feigling!” – “Ja, steckst wohl den Kopf in den Sand!” – “Keiner will dir helfen!”“Du schaffst es nie!” – “Du bist eine Versagerin!” – “Feigling!” – “Ja, steckst wohl den Kopf in den Sand!” – “Keiner will dir helfen!”
Leises Flüstern in der Nacht, kann die Straßenlampen in mein Zimmer reinscheinen sehen. Tränen rollen über meine Wangen. “Hört auf!” flüstere ich. “Ich will Euch nicht mehr hören!” Mit geballten Fäusten lieg ich da. Alles schmerzt, kann kaum atmen. Gesichter huschen an mir vorbei, schwer zu erkennen. Mir ist kalt. Meine Augen sind geschlossen, habe Angst sie zu öffnen. Habe Angst vor meiner Zukunft. Die Stimmen werden lauter – “Versagerin!” – sie lachen – “hehehe – Du bist ganz allein!” – “Die Einsamkeit wird dich umhüllen, wie eine Decke. Ein Netz, in dem du gefangen bist – du gehörst uns – ” Mühlsteine liegen auf meiner Brust. Ich schwitze und friere – “Wir werden deine Erinnerungen lebendig machen, ja, das werden wir. All deine Hoffnung werden wir zerstören. Ja – und wir werden deinen Schmerz zu einem endlosen Mysterium machen.”
“SEID STIIILLL!” – reiße meine Augen auf. Atme schnell, als ob ich gerannt wäre. Ja, davongerannt bin ich – vor mir selbst. Plötzliche Stille, keine Stimmen. Ich kann nichts sehen. Es ist alles chwarz – Wo bin ich? Sie blicken mich an – ihre Augen glühen, ihr hämisches Lachen – Ja, ich träume sehr oft von euch, ihr wart immer da. Zu jeder Zeit.
“Ich bin die Verzweiflung. Du nährst mich mit deiner Hoffnungslosigkeit. Ich bin sehr gewachsen, nicht wahr?” – Seine Augen glühen wir Kohle – rot und böse.
“Ich bin deine Mutlosigkeit. Du nährst mich mit deiner Ignoranz. Ja, ich wachse und wachse. Jedesmal, wenn du den Blödsinn Anderer ignorierst, wachse ich.”
“Ich bin deine Angst. Ich bin still und schleiche mich in deinen Kopf ein. Wie Nebel setze ich mich in deinen Gedanken fest. Ich flüstere dir zu – leise – Manchmal beobachte ich dich und sehe, dass du versuchst gegen mich anzukämpfen, aber du versagst.”
Meine Augen mit Tränen gefüllt, kaum fähig zu sprechen. Die Kälte macht sich breit, die Finsternis kaum zu ertragen. Ich sitze auf kalter feuchter Erde. Senke meinen Kopf. Sie sprechen zu mir – haben sie recht? Hab ich versagt? Hab ich alles getan um das Gute in mir zu töten? Hab ich meine Unschuld verloren?
Ich blicke auf – sie sehn mich an. Mit ihren großen glühenden Augen. Warten auf mich, dass sie mich verzehren. Mein Herz blutet, die Wunden klaffend – jede einzelne Narbe scheint aufgebrochen zu sein. Erinnerungen an früher. An so viel Leid und Schmerz. Verletzungen und Neid. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. So greifbar. Senke wieder meinen Kopf. Sehe auf meine geballte Faust. Öffne sie langsam. Kann die Markierungen meiner Nägel auf der Handfläche sehn. Rot und schmerzend. 3 Samenkörner, nicht groß, aber dennoch scheinen sie fruchtbar zu sein. Sie blicken mich an – aber sie sagen kein Wort.
“Ich bin nicht perfekt. Mache viele Fehler, habe Kriege gekämpft um mich frei zu machen. Ich werde nicht aufgeben. Niemals. Ich weiss, ich kann euch nicht besiegen. Nicht wenn ich gegen euch kämpfe – ” blicke auf die Körner “aber ich kann etwas Neues entstehen lassen!”
Nehme ein Korn. Setze es in die Erde. “Du sollst ein Baum werden, dein Stamm soll dick sein, deine Äste zahlreich, deine Früchte süße uns saftig. Du nährst mich mit Mut. Jedes Mal wenn ich Hunger nach Mut habe, nehme ich eine Frucht und genieße sie. Die Körner der Frucht werde ich wieder in der Erde vergraben, und es sollen neue Bäume wachsen. Sie sollen Schatten an heißen Tagen spenden. Wachse stetig – wir haben Zeit. Jedes Jahr ein bisschen größer.”
Nehme das zweite Samenkorn. “Du sollst ein Feld werden. Die Ernte soll zahlreich sein. Kein Hunger soll ich verspüren, wenn ich von dir esse. Du sollst mich bestärken in meinen Unternehmungen. Gib mir die Kraft – die Verzweiflung soll gehen. Denn ich bin stark, wenn ich von dir esse. Ich hab Geduld – wachse stetig und nähre mich”
Nehme das dritte Samenkorn. “Du, ja du sollst mein Haus werden. Meine Hoffnung. Schützt mich bei Sturm und Schnee. Stein auf Stein, zuerst der Keller, dann der Boden, dann die Tür, dann die Fenster und dann ein Dach. Gibst mir ein Heim. Darin ein Kamin, dass mir Wärme spendet. Sicherheit vor Gefahr. Werde hier auf meine Liebsten warten, der mit mir mein Heim teilt.”
Sie blicken mich an. Fragend und selbst daran zweifelnd. “Doch der Baum wächst nicht ohne Sonne und Regen, auch ein Feld braucht das Licht und das Wasser. Du kannst kein Haus bauen, wenn du keine Steine hast. Es ist dunkel – kein Licht.”
Ich lächle sie an. Lege meine Hände auf meinen Bauch, schließe meine Auge. Der erste Sonnenaufgang seit langer Zeit. “Ich bin das Licht – mein Licht, es war nur verdeckt von euren Worten. Ich war blind vor Schmerz und kann nun die Steine sehn, mit denen ich mein Haus bauen werde. Meine Tränen werden mein Feld und meinen Baum mit Wasser versorgen. Meine Liebe und Hingabe wird meine Einsamkeit vertreiben. Ich hab Geduld – ich wachse stetig.”
Warmer Regen fällt auf die schwarze Erde nieder. Keine Stimmen. Der Regen schwemmt meine Verzweiflung, Angst und Mutlosigkeit in die schwarze, fruchtbare Erde. Ich weiß, sie sind allgegenwärtig – das ist auch gut so. Solange ich sie bei mir habe, werde ich gewarnt sein. Doch ich werde euch sehn …
Geschrieben Juni 2002
Leises Flüstern in der Nacht, kann die Straßenlampen in mein Zimmer reinscheinen sehen. Tränen rollen über meine Wangen. “Hört auf!” flüstere ich. “Ich will Euch nicht mehr hören!” Mit geballten Fäusten lieg ich da. Alles schmerzt, kann kaum atmen. Gesichter huschen an mir vorbei, schwer zu erkennen. Mir ist kalt. Meine Augen sind geschlossen, habe Angst sie zu öffnen. Habe Angst vor meiner Zukunft. Die Stimmen werden lauter – “Versagerin!” – sie lachen – “hehehe – Du bist ganz allein!” – “Die Einsamkeit wird dich umhüllen, wie eine Decke. Ein Netz, in dem du gefangen bist – du gehörst uns – ” Mühlsteine liegen auf meiner Brust. Ich schwitze und friere – “Wir werden deine Erinnerungen lebendig machen, ja, das werden wir. All deine Hoffnung werden wir zerstören. Ja – und wir werden deinen Schmerz zu einem endlosen Mysterium machen.”
“SEID STIIILLL!” – reiße meine Augen auf. Atme schnell, als ob ich gerannt wäre. Ja, davongerannt bin ich – vor mir selbst. Plötzliche Stille, keine Stimmen. Ich kann nichts sehen. Es ist alles chwarz – Wo bin ich? Sie blicken mich an – ihre Augen glühen, ihr hämisches Lachen – Ja, ich träume sehr oft von euch, ihr wart immer da. Zu jeder Zeit.
“Ich bin die Verzweiflung. Du nährst mich mit deiner Hoffnungslosigkeit. Ich bin sehr gewachsen, nicht wahr?” – Seine Augen glühen wir Kohle – rot und böse.
“Ich bin deine Mutlosigkeit. Du nährst mich mit deiner Ignoranz. Ja, ich wachse und wachse. Jedesmal, wenn du den Blödsinn Anderer ignorierst, wachse ich.”
“Ich bin deine Angst. Ich bin still und schleiche mich in deinen Kopf ein. Wie Nebel setze ich mich in deinen Gedanken fest. Ich flüstere dir zu – leise – Manchmal beobachte ich dich und sehe, dass du versuchst gegen mich anzukämpfen, aber du versagst.”
Meine Augen mit Tränen gefüllt, kaum fähig zu sprechen. Die Kälte macht sich breit, die Finsternis kaum zu ertragen. Ich sitze auf kalter feuchter Erde. Senke meinen Kopf. Sie sprechen zu mir – haben sie recht? Hab ich versagt? Hab ich alles getan um das Gute in mir zu töten? Hab ich meine Unschuld verloren?
Ich blicke auf – sie sehn mich an. Mit ihren großen glühenden Augen. Warten auf mich, dass sie mich verzehren. Mein Herz blutet, die Wunden klaffend – jede einzelne Narbe scheint aufgebrochen zu sein. Erinnerungen an früher. An so viel Leid und Schmerz. Verletzungen und Neid. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. So greifbar. Senke wieder meinen Kopf. Sehe auf meine geballte Faust. Öffne sie langsam. Kann die Markierungen meiner Nägel auf der Handfläche sehn. Rot und schmerzend. 3 Samenkörner, nicht groß, aber dennoch scheinen sie fruchtbar zu sein. Sie blicken mich an – aber sie sagen kein Wort.
“Ich bin nicht perfekt. Mache viele Fehler, habe Kriege gekämpft um mich frei zu machen. Ich werde nicht aufgeben. Niemals. Ich weiss, ich kann euch nicht besiegen. Nicht wenn ich gegen euch kämpfe – ” blicke auf die Körner “aber ich kann etwas Neues entstehen lassen!”
Nehme ein Korn. Setze es in die Erde. “Du sollst ein Baum werden, dein Stamm soll dick sein, deine Äste zahlreich, deine Früchte süße uns saftig. Du nährst mich mit Mut. Jedes Mal wenn ich Hunger nach Mut habe, nehme ich eine Frucht und genieße sie. Die Körner der Frucht werde ich wieder in der Erde vergraben, und es sollen neue Bäume wachsen. Sie sollen Schatten an heißen Tagen spenden. Wachse stetig – wir haben Zeit. Jedes Jahr ein bisschen größer.”
Nehme das zweite Samenkorn. “Du sollst ein Feld werden. Die Ernte soll zahlreich sein. Kein Hunger soll ich verspüren, wenn ich von dir esse. Du sollst mich bestärken in meinen Unternehmungen. Gib mir die Kraft – die Verzweiflung soll gehen. Denn ich bin stark, wenn ich von dir esse. Ich hab Geduld – wachse stetig und nähre mich”
Nehme das dritte Samenkorn. “Du, ja du sollst mein Haus werden. Meine Hoffnung. Schützt mich bei Sturm und Schnee. Stein auf Stein, zuerst der Keller, dann der Boden, dann die Tür, dann die Fenster und dann ein Dach. Gibst mir ein Heim. Darin ein Kamin, dass mir Wärme spendet. Sicherheit vor Gefahr. Werde hier auf meine Liebsten warten, der mit mir mein Heim teilt.”
Sie blicken mich an. Fragend und selbst daran zweifelnd. “Doch der Baum wächst nicht ohne Sonne und Regen, auch ein Feld braucht das Licht und das Wasser. Du kannst kein Haus bauen, wenn du keine Steine hast. Es ist dunkel – kein Licht.”
das ist sooo schön
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